Pferde sind Steppentiere und Dauerfresser. Ihr Verdauungssystem ist darauf ausgelegt, über viele Stunden am Tag kleine Mengen rohfaserreiches Futter aufzunehmen. Im Stall sieht der Alltag oft anders aus: feste Fütterungszeiten, rationiertes Heu und gut gemeinte Leckerlis, die einem Pferd mehr schaden als nützen.
In diesem Ratgeber zeige ich dir, was Pferde fressen dürfen, welches Futter die Basis bildet und was du deinem Pferd nicht füttern solltest.

Das Wichtigste in Kürze zur Ernährung von Pferden
- Heu oder Gras bildet die Basis jeder Ration. Ein gesundes Pferd sollte möglichst rund um die Uhr Zugang zu Raufutter haben. Die Mindestmenge liegt bei 1,5 kg Trockensubstanz pro 100 kg Körpergewicht, für ein 600 kg schweres Pferd sind das rund 10,5 kg Heu am Tag.
- Fresspausen sollten nicht länger als 4 Stunden dauern. Der Pferdemagen bildet ständig Magensäure, auch wenn kein Futter darin ist.
- Viele Freizeitpferde brauchen wenig oder gar kein Kraftfutter. Hafer ist für Pferde gut verdaulich. Gerste und Mais solltest du nur aufgeschlossen füttern, zum Beispiel als Flocken.
- Eine Ration aus Heu und Hafer deckt den Bedarf an Vitamin A, D und E sowie an einigen Mineralstoffen nicht. Ein passendes Mineralfutter und ein Salzleckstein sind deshalb wichtig.
- Staubiges, muffiges oder schimmeliges Heu belastet Atemwege und Verdauung. Frisch geerntetes Heu sollte 6 bis 8 Wochen ausschwitzen, bevor du es fütterst.
- Brot, Zucker, verschimmeltes Obst oder Gemüse und giftige Pflanzen wie Jakobskreuzkraut oder Bergahorn solltest du deinem Pferd nicht füttern.
Was dürfen Pferde fressen?
In freier Natur fressen Pferde vor allem Gräser, Kräuter und andere rohfaserreiche Pflanzen. Für die Fütterung im Stall lassen sich die Futtermittel in sechs Gruppen einteilen:
- Raufutter wie Gras, Heu, Heulage oder Grassilage und Futterstroh
- Kraftfutter wie Hafer, aufgeschlossene Gerste oder Mais und Mischfutter als Müsli oder Pellets
- Saftfutter wie Karotten, Äpfel, Rüben und Rote Bete
- Mineralfutter als Pellets, Briketts oder Pulver
- Wasser und Salz, also eine saubere Tränke und ein Salzleckstein
- Kräuter wie Brennnessel, Hagebutte, Kamille oder Löwenzahn, gezielt und in kleinen Mengen
Entscheidend ist das Verhältnis. Raufutter macht den größten Teil der Ration aus. Alles andere ergänzt es dort, wo das Raufutter allein nicht reicht.
Pferde Gesundheit: Welche Auswirkungen hat die Ernährung?
Die Fütterung beeinflusst, wie sich ein junges Pferd entwickelt und wie gesund und leistungsfähig ein erwachsenes Pferd bleibt. Fehler zeigen sich oft erst nach Wochen oder Monaten.
Bekommt ein Pferd dauerhaft mehr Energie, als es verbraucht, nimmt es zu. Übergewicht begünstigt eine Insulinresistenz und Stoffwechselerkrankungen wie das Equine Metabolische Syndrom (EMS). Bekommt es zu wenig, baut es zuerst Fettreserven ab und danach Muskulatur. Beides kostet Leistung und Gesundheit.
Viele Freizeitpferde werden besser versorgt, als sie es brauchen. Ein Pferd, das an einigen Tagen pro Woche gemütlich geritten wird, liegt im sogenannten Erhaltungsbedarf. Ein 600 kg schweres Warmblut braucht dann rund 63 MJ umsetzbare Energie am Tag. Genau diese Menge steckt in 10 kg Heu mittlerer Qualität. Kraftfutter ist in diesem Fall nicht nötig.
Ob die Menge passt, siehst du am Ernährungszustand. Beim Body Condition Score (BCS) beurteilst du Hals, Rücken, Rippen und Becken. Auf der Skala von 1 bis 6 steht die 4 für ein normal ernährtes Pferd: Die Rippen kannst du leicht ertasten, sehen kannst du sie nicht. Es gibt auch Skalen von 1 bis 9. Wenn du Angaben vergleichst, achte deshalb darauf, welche gemeint ist.
Wenn du dein Pferd nicht selbst fütterst, lohnt sich eine Nachfrage im Stall. Wie viel Heu bekommt es, wann gibt es die letzte Mahlzeit und welches Kraftfutter steht auf dem Plan? Mit diesen Antworten kannst du einschätzen, ob die Versorgung zu deinem Pferd passt.

Was fressen Wildpferde?
Wildpferde leben in Steppen und lichten Wäldern. Sie fressen rohfaserreiche Pflanzen und sind dabei 16 Stunden am Tag und mehr in langsamer Bewegung. Dieses Fressverhalten haben auch Hauspferde bis heute behalten.
Wie stark die Haltung das ändert, zeigen Beobachtungen zum Tagesablauf von Pferden (Zeitler-Feicht 2008):
| Haltung | Fressen | Stehen | Liegen |
|---|---|---|---|
| Camargue-Pferde in freier Wildbahn | 60 % | 20 % | 10 % |
| Laufstall, Heu und Stroh zur freien Aufnahme | 57 % | 23 % | 10 % |
| Box, Heu und Stroh zur freien Aufnahme | 47 % | 40 % | 10 % |
| Box ohne Stroh, Heu rationiert | 16 % | 68 % | 16 % |
In meinen fast 20 Jahren im Pferdesport standen die Pferde meiner Reitbeteiligungen alle in Einzelboxen, meist mit Stroh als Einstreu, einige mit angeschlossenem Paddock. Genau deshalb ist Stroh mehr als nur Einstreu. Ein Pferd, das daran knabbern kann, verbringt deutlich mehr Zeit mit Fressen als ein Pferd auf Spänen mit knapp bemessenem Heu.
Nadir, eine meiner Reitbeteiligungen, war ein Kopper. Beim Koppen setzt ein Pferd die Schneidezähne zum Beispiel auf die Krippe und schluckt dabei Luft ab. Warum ein Pferd damit anfängt, lässt sich im Einzelfall selten sicher sagen. Zu kurze Fresszeiten und zu wenig strukturiertes Raufutter gelten aber als Faktoren, die Langeweile und solche Verhaltensauffälligkeiten begünstigen.
Auf der Weide frisst ein großes Pferd 50 kg Gras und mehr am Tag. Weil Gras überwiegend aus Wasser besteht, steckt darin weniger, als die Menge vermuten lässt. Ein Kilogramm Gras enthält nur rund 160 g Trockensubstanz, ein Kilogramm Heu dagegen rund 860 g. Aus 50 bis 60 kg Gras werden so etwa 8 bis 10 kg Trockenmasse.
Für die tägliche Futtermenge kannst du dich an der Trockensubstanz orientieren. Ein Pferd frisst je nach Größe und Leistung 1,7 bis 3,5 % seines Körpergewichts an Trockensubstanz. Die Mindestmenge an Raufutter liegt bei 1,5 kg Trockensubstanz pro 100 kg Körpergewicht. Ein 600 kg schweres Pferd braucht also mindestens 9 kg Trockensubstanz aus Raufutter, das entspricht etwa 10,5 kg Heu.
Wie funktioniert die Verdauung beim Pferd?
Der Verdauungstrakt eines Pferdes ist auf rohfaserreiches Futter in kleinen Portionen eingestellt. Vom Maul bis zum Enddarm dauert die Passage mehr als zwei Tage. Der größte Teil dieser Zeit entfällt auf den Dickdarm.
Im Maul beginnt die Verdauung
Pferde kauen 60 bis 80 Mal pro Minute. Für ein Kilogramm Heu brauchen sie mehr als 40 Minuten, für ein Kilogramm Kraftfutter weniger als 15 Minuten. Beim Kauen bildet ein großes Pferd bis zu 30 Liter Speichel am Tag. Der Speichel macht das Futter schluckfähig und puffert die Magensäure. Lange Kauzeiten sorgen außerdem dafür, dass sich die Zähne gleichmäßig abnutzen.
Der Magen: klein und empfindlich
Im Verhältnis zum gesamten Verdauungstrakt ist der Pferdemagen sehr klein. Er fasst nur rund 15 bis 20 Liter. Die Magenschleimhaut bildet ständig Magensäure, ob Futter da ist oder nicht. Bei langen Fresspausen trifft die Säure direkt auf die Schleimhaut. Im schlimmsten Fall entstehen Entzündungen bis hin zu Magengeschwüren.
Deshalb sollten Fresspausen nicht länger als 4 Stunden dauern. In vielen Ställen gibt es die letzte Heuration am frühen Abend. Ohne Zugang zu Raufutter liegen bis zur Morgenfütterung dann 12 Stunden und mehr.
Genauso wichtig ist Ruhe beim Fressen. Wird ein Pferd direkt nach der Mahlzeit intensiv gearbeitet oder transportiert, kann das die Bildung der Verdauungssäfte stören. Das Risiko für Koliken steigt, vor allem nach größeren Mengen Kraftfutter.
Dünndarm und Dickdarm
Im rund 20 Meter langen Dünndarm wird ein Großteil der Nährstoffe verdaut: etwa 90 % der Fette, 70 % der Kohlenhydrate und 70 % des Eiweißes. Eine Gallenblase hat das Pferd nicht. Die Galle fließt direkt aus der Leber in den Darm.
Rohfaser passiert Magen und Dünndarm unverändert. Erst im Blinddarm und Grimmdarm schließen Mikroorganismen sie auf. Dabei entstehen Fettsäuren, die das Pferd als Energie nutzt. Diese Mikroorganismen bilden außerdem B-Vitamine.
Gelangt zu viel Stärke unverdaut in den Dickdarm, gerät diese Darmflora aus dem Gleichgewicht. Das Milieu wird sauer, Bakterien sterben ab und setzen Giftstoffe frei. Diese können eine Hufrehe auslösen. Das passiert zum Beispiel bei zu viel Getreide im Verhältnis zum Raufutter oder bei großen Mengen jungem Weidegras.

Unterschiede von Raufutter, Kraftfutter und Saftfutter
Raufutter, Kraftfutter und Saftfutter haben in der Ernährung deines Pferdes sehr unterschiedliche Aufgaben. Unverzichtbar ist nur eine dieser drei Gruppen.
Raufutter ist die wichtigste Nahrungsquelle für dein Pferd. Dazu zählen Heu, Gras, Heulage und Futterstroh. Es liefert Rohfaser für die Darmflora, sorgt für lange Kauzeiten und hält die Verdauung in Gang. Davon sollte dein Pferd immer reichlich bekommen.
Kraftfutter liefert konzentrierte Energie aus Stärke. Dazu zählen Getreide wie Hafer, Gerste und Mais sowie Mischfutter. Nicht jedes Pferd braucht Kraftfutter. Ein Pferd in leichter Arbeit kommt oft mit gutem Heu aus, ein Sportpferd in schwerer Arbeit dagegen nicht.
Getreide ist für Pferde nicht gleich gut verdaulich. Pferde bilden im Dünndarm nur wenig des Enzyms, das Stärke spaltet. Grobe Stärkekörner wie in Gerste und Mais werden dort deshalb kaum verdaut und gelangen in den Dickdarm. Durch Erhitzen, Flockieren oder Poppen wird die Stärke aufgeschlossen und deutlich besser verdaulich:
| Futtermittel | Anteil der Stärke, der im Dünndarm verdaut wird |
|---|---|
| Hafer, ganz oder gequetscht | 80 bis 95 % |
| Gerste, gequetscht | 22 bis 75 % |
| Mais, ganze Körner | 29 % |
| Mais, geschrotet | 47 % |
| Mais, gepoppt | 90 % |
Hafer kannst du einem Pferd mit gesundem Gebiss deshalb auch ganz füttern. Gerste und Mais solltest du nur aufgeschlossen geben. Weizen eignet sich als Einzelfutter nicht, weil sein hoher Kleberanteil im Magen verkleistern kann.
Auch die Menge pro Mahlzeit spielt eine Rolle. Mehr als 1,5 kg Kraftfutter pro Mahlzeit solltest du nicht geben, besser ist 1 kg oder weniger. Braucht dein Pferd mehr, verteilst du es auf mehrere Mahlzeiten am Tag.
Saftfutter sind wasserreiche Futtermittel wie Karotten, Rüben, Rote Bete und Äpfel. Sie sind eine willkommene Abwechslung und regen den Appetit an. Den Nährstoffbedarf decken sie nicht. Obst wie Bananen enthält viel Zucker und eignet sich nur als gelegentliches Leckerli.
Was eignet sich als Grundfutter für Pferde?
Die Basis der Pferdefütterung ist gutes Heu. Es liefert Rohfaser, Energie, Eiweiß und Mineralstoffe. Bei Analysen der LUFA Nord-West lag der Rohproteingehalt von Heu im Mittel bei knapp 10 % der Trockensubstanz, die Rohfaser bei rund 32 %. Ein gesundes Pferd sollte möglichst rund um die Uhr Heu zur Verfügung haben, damit es zwischendurch immer fressen kann.
Neigt dein Pferd zu Übergewicht, musst du das Heu nicht knapp rationieren. Engmaschige Heunetze verlängern die Fresszeit. Du kannst auch Futterstroh beimischen, das wenig Energie liefert. Stroh ist allerdings schwer verdaulich. Mehr als 1 kg pro 100 kg Körpergewicht am Tag sollte es nicht sein.
Eine Alternative zu Heu ist Heulage oder Grassilage. Sie wird feuchter geerntet und in Folie luftdicht vergoren. Ihr großer Vorteil: Sie staubt nicht. Voraussetzung ist eine gute Gärung und eine Folie ohne Löcher. Durch beschädigte Folie dringt Luft ein. Dann können sich Hefen und Schimmel bilden.
Als Ergänzung zum Heu kannst du Kraftfutter wie Hafer füttern, wenn dein Pferd mehr Energie braucht. Viele Freizeitpferde kommen ohne oder mit sehr wenig Kraftfutter aus.
Was Heu und Hafer nicht leisten, ist die vollständige Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen. Die Vitamine A, D und E stecken im Heu nicht in ausreichender Menge, vor allem in der Stallsaison ohne frisches Gras. Hafer hat zudem deutlich mehr Phosphor als Calcium. Ein Mineralfutter mit Vitaminen, das zur Ration passt, schließt diese Lücken. Welche Nährstoffe dabei besonders wichtig sind, hängt von deinem Heu ab. Welches Zusatzfutter wirklich nötig ist, zeigt erst der Vergleich von Heu und Bedarf.
Minerallecksteine sind dafür kein Ersatz. Manche Pferde lecken zu viel, andere zu wenig. Kontrollieren kannst du die Menge nicht. Wenn du die Angaben eines Minerallecksteins auf den Bedarf zurückrechnest, siehst du oft, dass ein Pferd gar nicht so viel lecken kann, wie es bräuchte. Gib Mineralfutter deshalb abgemessen, zum Beispiel als Pellets oder Briketts aus der Hand oder aus dem Trog.

Wasser und Salz: Was dein Pferd jeden Tag braucht
Wasser ist das Futtermittel, an das im Alltag am wenigsten gedacht wird. Ein Pferd trinkt rund 3 bis 3,5 Liter pro Kilogramm Trockensubstanz, das es frisst. Auf der Weide nimmt es viel Wasser über das Gras auf. Mit Heu braucht es deutlich mehr aus der Tränke.
| Pferd (600 kg) | Wasser pro Tag bei Heu und Kraftfutter |
|---|---|
| Erhaltung | 18 bis 30 Liter |
| Leichte Arbeit | 30 bis 42 Liter |
| Schwere Arbeit | 42 bis 60 Liter |
| Säugende Stute | 48 bis 60 Liter |
Im Winter wird Wasser schnell zum Problem. Ist die Tränke eingefroren oder das Wasser eiskalt, trinken viele Pferde zu wenig. Zusammen mit trockenem Heu steigt dann das Risiko für eine Verstopfungskolik. Frostsichere Tränken oder angewärmtes Wasser helfen. Hat dein Pferd keinen dauerhaften Zugang zu Wasser, solltest du es mindestens dreimal am Tag bis zur Sättigung trinken lassen.
Genauso wichtig ist Salz. Natrium steckt in Heu und Gras nur in sehr kleinen Mengen. Über den Schweiß verliert ein Pferd zudem pro Liter rund 3 g Natrium. Ein Pferd im Erhaltungsbedarf braucht etwa 3 g Natrium am Tag, bei schwerer Arbeit sind es rund 64 g. Ein reiner Salzleckstein sollte deshalb jedem Pferd zur Verfügung stehen. Häng ihn in eine Wandhalterung. In der Krippe löst er sich mit Speichel auf und verschmutzt das Futter.
Ein Natriummangel zeigt sich unter anderem durch Lecksucht, Erdefressen und nachlassende Leistung. Einen ersten Hinweis auf Austrocknung gibt der Hautfaltentest. Du ziehst dazu am Hals eine Hautfalte hoch. Bleibt sie stehen, statt sofort zu verstreichen, fehlt dem Pferd Flüssigkeit.
Kräuter für Pferde: Das ist zu beachten!
Kräuter können die Ration eines Pferdes bereichern. Viele Pferde suchen sich auf artenreichen Weiden gern Kräuter heraus. Auf vielen Weiden und im Stall haben sie diese Auswahl aber nicht.
Wenn du deinem Pferd Kräuter füttern möchtest, informiere dich vorher sehr genau. Kräuter haben spezifische Wirkungen auf Organe und Abläufe im Körper. Manche Pflanzen beeinflussen sich gegenseitig, wenn du sie kombinierst. Kräuter fütterst du deshalb besser gezielt und als Kur statt dauerhaft. Für die Versorgung mit Mineralstoffen reichen sie nicht aus, dafür brauchst du ein Mineralfutter.
Achte auf die Qualität. Kräuter in Futtermittelqualität sind häufig mit Pflanzenschutzmitteln oder Schimmelpilzen belastet. Kräuter in Lebensmittel- oder Arzneibuchqualität kosten mehr, sind aber sauberer. Frag dich ruhig, welche Qualität du für dich selbst wählen würdest. Wenn du dich mit Kräutern nicht auskennst, lass dich von einer Fachfrau oder einem Fachmann beraten.
Welche Leckerlis dürfen Pferde fressen?
Das Angebot an fertigen Pferdeleckerlis ist riesig. Viele davon enthalten Zucker, Melasse oder Weizen. Wirf deshalb immer einen Blick auf die Zusammensetzung. Frisches Obst und Gemüse in kleinen Mengen ist meist die bessere Wahl. Welche Sorten sich eignen, findest du weiter unten in der Liste.
Du kannst Leckerlis für Pferde auch selbst backen. Dann weißt du genau, was drin ist.
Warum du Pferden weder Brot noch Zuckerwürfel füttern solltest
In den Ställen meiner Reitbeteiligungen war getrocknetes Brot früher das ganz normale Leckerli. Auch ich habe es lange gefüttert, ohne die Folgen zu kennen.
Aus heutiger Sicht spricht einiges dagegen. Weizen- und Roggenmehl enthalten Klebereiweiß. Zusammen mit Speichel kann daraus im Magen ein zäher Brei entstehen, der die Verdauung behindert. Brot ist außerdem sehr stärkereich und enthält je nach Sorte weitere Zusatzstoffe. Dazu kommt die Hygiene: Brot, das nicht vollständig durchgetrocknet ist, schimmelt schnell. Diesen Schimmel sieht man nicht immer.
Zuckerwürfel liefern nichts außer Zucker. Wenn du deinem Pferd eine Freude machen möchtest, gib ihm lieber ein Stück Karotte oder Apfel.

Qualität von Heu: Achtung, Schimmelgefahr!
Heu ist die Basis der Pferdefütterung. Seine Qualität entscheidet über viel mehr als nur über den Geschmack. Schlechtes Heu kann Atemwegserkrankungen, Koliken und eine Belastung des Immunsystems auslösen.
Wie empfindlich Pferde auf Staub reagieren, habe ich ebenfalls bei Nadir erlebt. Er hatte starke Probleme mit staubigem Heu. Ich verstehe das gut, denn ich bin selbst allergisch gegen Heu. Staub und Pilzsporen im Futter treffen nicht nur das Pferd, sondern auch jeden Menschen, der im Stall füttert und mistet.
So erkennst du gutes Heu
Vieles kannst du mit Augen, Nase und Händen prüfen:
| Merkmal | Gutes Heu | Mittleres Heu | Schlechtes Heu |
|---|---|---|---|
| Farbe | kräftig grün bis graugrün | leicht verblichen | gelb, braun, grau oder schwarz |
| Verschmutzung | kaum Sand oder Erde | wenig Sand oder Erde, leicht staubig | sichtbare Erde, sehr staubig |
| Schimmel | keiner | keiner | sichtbar, muffig, fad |
| Geruch | kräftiger, typischer Heuduft | schwächer | kaum Duft, staubig, muffig, pilzig |
| Griffprobe | trocken, viele Blätter, gute Struktur | wie gutes Heu | klamm, harte Stängel, wenig Blätter |
Heu aus der rechten Spalte solltest du nicht verfüttern. Schimmel ist nicht immer sichtbar. Riecht Heu muffig, ist das schon Grund genug, es nicht mehr zu verwenden.
Auch der Schnittzeitpunkt verändert das Heu. Früh geschnittenes Heu hat mehr Energie und Eiweiß und passt zu Zuchtpferden, jungen Pferden und Sportpferden. Später geschnittenes Heu enthält mehr Rohfaser und weniger Energie. Es eignet sich für Freizeitpferde, Pferde im Erhaltungsbedarf und Kleinpferde. Ein sehr später Schnitt bringt allerdings mehr hygienische Belastung mit, weil das Gras überständig ist.
Frisch geerntetes Heu ist noch nicht fertig. In den ersten 6 bis 8 Wochen laufen darin bakterielle Umsetzungen ab, das Heu „schwitzt“. In dieser Zeit solltest du es nicht füttern, weil das Kolikrisiko hoch ist. Lagerfähig ist Heu erst mit einer Restfeuchte unter 15 %.
Was eine Heuanalyse zeigt
Mit Augen und Nase erkennst du die Hygiene, die Inhaltsstoffe aber nicht. Wie stark die schwanken, hat mich in meinem Lehrgang „Experte für Pferdefütterung“ an der Tier-Akademie am meisten überrascht. Ein Beispiel ist Kupfer: Ein 600 kg schweres Freizeitpferd braucht rund 121 mg Kupfer am Tag. Mit 10 kg Heu nimmt es bei durchschnittlichem Heu nur etwa 58 mg auf. Je nach Heu können es aber auch nur 27 mg oder bis zu 332 mg sein.
Ohne Analyse weißt du also nicht, ob dein Pferd zu wenig oder sogar zu viel bekommt. Eine Heuanalyse führen zum Beispiel die LUFA der Bundesländer oder die Tierernährungsinstitute der Tierärztlichen Hochschulen durch. Für die Probe nimmst du Heu aus mehreren Ballen, damit sie zeigt, was dein Pferd wirklich frisst. Wenn du größere Mengen Heu einlagerst, lohnt sich eine Analyse immer.
So lagerst du Heu und Kraftfutter richtig
Gutes Heu bleibt nur gut, solange es trocken und sauber liegt. Heu und Stroh lagerst du am besten in einem geschlossenen Gebäude mit festem Boden. Die Ballen sollten nicht direkt auf dem Boden liegen. Paletten darunter lassen Luft zirkulieren und halten Feuchtigkeit von unten ab. Lass außerdem etwas Abstand zwischen den Ballenreihen. Schütze das Heu vor direktem Sonnenlicht, weil das den Abbau von Beta-Carotin beschleunigt.
Heulageballen dürfen draußen liegen, wenn die Folie unbeschädigt bleibt. Ein befestigter Untergrund wie Pflaster oder Kies lockt keine Nager an. Eine Abdeckung schützt vor Vögeln, ein schattiger Platz vor Kondenswasser unter der Folie.
Getreide und Ergänzungsfutter brauchen einen verschlossenen, kühlen und dunklen Raum. Gequetschtes oder geschrotetes Getreide verdirbt schnell. Quetsch deshalb nur so viel, wie du in kurzer Zeit fütterst. Leere und reinige Futterkisten und Futterlager regelmäßig vollständig, damit sich keine Milben, Motten oder Käfer ansiedeln.

Saftfutter: Obst und Gemüse für Pferde
Obst und Gemüse sind für die meisten Pferde ein Highlight. Füttere nur, was du sicher kennst und was dein Pferd gut verträgt. Saftfutter macht immer nur einen kleinen Teil der Ration aus. Obst wie Birnen oder Bananen enthält viel Zucker und eignet sich nur als gelegentlicher Snack. Gemüse wie Zucchini oder Eisbergsalat schadet nicht, bringt deinem Pferd aber kaum Nährstoffe. Karotten kannst du am großzügigsten füttern, bei einem großen Pferd bis zu 2 kg am Tag.
Wichtig ist die Hygiene. Saftfutter solltest du nur sauber und ohne Faulstellen füttern. Genau hier habe ich früher einen Fehler gemacht: Von Karotten mit Schimmelstellen schnitt ich nur den Schimmel ab und fütterte den Rest. Das Pilzgeflecht reicht aber oft tiefer ins Gemüse, als man sieht. Schimmelpilze bilden Gifte, die Leber, Verdauung und Immunsystem belasten. Eine angeschimmelte Karotte solltest du deshalb komplett wegwerfen.
Was dürfen Pferde fressen? Obst und Gemüse Liste
Diese Obst- und Gemüsesorten kannst du deinem Pferd in kleinen Mengen füttern:
| Geeignetes Obst für Pferde | Geeignetes Gemüse für Pferde |
|---|---|
| Äpfel | Karotten |
| Birnen | Rote Bete |
| Bananen | Steckrübe |
| Hagebutten | Kopfsalat |
| Wassermelone | Eisbergsalat |
| Zucchini |
Was dürfen Pferde nicht fressen?
Nicht alles, was Menschen gern essen, verträgt ein Pferd. Schokolade, scharfe Gewürze, Fleisch, Fisch und Süßigkeiten solltest du deinem Pferd selbstverständlich nicht geben. Auch Milchprodukte sind ungeeignet. Das Enzym zur Verdauung von Milchzucker haben nur Fohlen.
Diese Lebensmittel und Pflanzen solltest du deinem Pferd außerdem nicht füttern:
- Brot und Gebäck, auch nicht getrocknet
- verschimmeltes oder angefaultes Obst und Gemüse, auch nicht mit abgeschnittenen Stellen
- Zitrusfrüchte wie Orangen, Grapefruit und Zitronen
- Steinobst wie Pflaumen, Kirschen, Aprikosen und Pfirsiche, weil die Kerne giftige Stoffe enthalten und das Obst leicht gärt
- Nachtschattengewächse wie Kartoffeln, Auberginen und Tomaten
- Kohlsorten wie Rosenkohl, Blumenkohl und Brokkoli, weil sie stark blähen
- Zwiebeln, Lauch, Bärlauch und Knoblauch
- Avocado, Rhabarber und Spinat
- Ingwer, Chili und Pfeffer
- frischer Rasenschnitt, weil er schnell gärt und Koliken auslösen kann
- giftige Pflanzen wie Jakobskreuzkraut, Blauer Eisenhut, Johanniskraut sowie Samen und Keimlinge des Bergahorns
Und auch beim eigentlichen Pferdefutter gilt: Heu, Heulage oder Kraftfutter, das muffig riecht, staubt oder Schimmel zeigt, solltest du nicht verfüttern.

Fazit zur Ernährung von Pferden
Wenn ich an meine Zeit mit den Reitbeteiligungen zurückdenke, lag das größte Problem selten an fehlendem Futter. Es lag an Gewohnheiten, die im Stall niemand hinterfragt hat.
Für die Gesundheit deines Pferdes zählen vor allem die Dinge, die du jeden Tag im Stall siehst. Wie lang ist die Nacht ohne Heu? Riecht das Heu frisch, oder staubt es beim Aufschütteln? Hängt ein Salzleckstein in der Box? Ist die Tränke im Winter frei? Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, hat schon viel für sein Pferd getan.
Der nächste Schritt ist ein Blick auf die Ration als Ganzes. Mit einer Heuanalyse und einem passenden Mineralfutter weißt du, was dein Pferd wirklich bekommt, statt es nur zu vermuten.
Weitere häufige Fragen zur Ernährung von Pferden
Ein gesundes Pferd sollte Heu möglichst zur freien Verfügung haben. Die Mindestmenge liegt bei 1,5 kg Trockensubstanz pro 100 kg Körpergewicht. Für ein Pferd mit 600 kg sind das rund 10,5 kg Heu am Tag.
Fresspausen sollten nicht länger als 4 Stunden dauern. Der Magen bildet ständig Säure, die ohne Futter die Magenschleimhaut angreift. Besonders kritisch ist die Nacht, wenn die letzte Heuration früh am Abend kommt.
Nicht unbedingt. Ein Freizeitpferd, das nur gemütlich geritten wird, deckt seinen Energiebedarf oft schon mit gutem Heu. Kraftfutter brauchen vor allem Pferde in mittlerer oder schwerer Arbeit, säugende Stuten und manche ältere Pferde.
Besser nicht, auch nicht getrocknet. Das Klebereiweiß aus Weizen und Roggen kann im Magen verkleistern. Nicht durchgetrocknetes Brot schimmelt außerdem schnell.
Ein großes Pferd verträgt bis zu 2 kg Karotten am Tag. Füttere nur saubere Karotten ohne Faulstellen oder Schimmel. Angeschimmelte Stücke solltest du nicht abschneiden, sondern ganz wegwerfen.
Ein Pferd mit 600 kg trinkt bei Heufütterung im Erhaltungsbedarf 18 bis 30 Liter am Tag. Bei schwerer Arbeit sind es 42 bis 60 Liter. Auf der Weide trinkt es weniger, weil Gras viel Wasser enthält.
Ja. Heu und Gras enthalten nur wenig Natrium. Über den Schweiß verliert ein Pferd zusätzlich Salz. Ein reiner Salzleckstein sollte deshalb immer zugänglich sein, am besten in einer Wandhalterung.
Quellen
- Meyer, H., Coenen, M.: Pferdefütterung. 6. Auflage, Enke Verlag, Stuttgart 2014.
- Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE): Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden. DLG-Verlag, Frankfurt am Main 2014.
- Kamphues, J. et al.: Supplemente zur Tierernährung für Studium und Praxis. 12. Auflage, M. & H. Schaper, Hannover 2014.
- Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten. Bonn 2009.
- Zeitler-Feicht, M. H.: Handbuch Pferdeverhalten. 2. Auflage, Ulmer, Stuttgart 2008.
- Carroll, C. L., Huntington, P. J.: Body condition scoring and weight estimation of horses. Equine Veterinary Journal 20 (1988), S. 41 bis 45.
- LUFA Nord-West: Ergebnisse von Heuanalysen 2014 bis 2016.
- Tier-Akademie: Lehrgang „Experte für Pferdefütterung“, Lektionen 1 bis 6.








