Parasitenschutz für Pferde arbeitet auf zwei Ebenen: der selektiven Entwurmung gegen Endoparasiten wie kleine Strongyliden und Bandwürmer sowie dem äußeren Schutz vor Zecken, Milben und Stechinsekten. Grundlage ist die regelmäßige Kotprobe, ergänzt durch konsequente Weidehygiene und passende Pflegeprodukte.
Inhaltsverzeichnis
- Parasitenschutz für Perde: Das Wichtigste in Kürze
- Was bedeutet Parasitenschutz beim Pferd?
- Welche Parasiten befallen Pferde?
- Wie funktioniert die selektive Entwurmung?
- Wann reicht eine Kotprobe allein nicht aus?
- Wie schützt Du Dein Pferd vor Zecken, Milben und Fliegen?
- Welche Rolle spielt die Weidehygiene?
- Wie oft solltest Du Dein Pferd entwurmen?
- Die häufigsten Fehler beim Parasitenschutz
- Weitere häufige Fragen zum Parasitenschutz beim Pferd
- Quellen

Parasitenschutz für Perde: Das Wichtigste in Kürze
- Entwurmungsmittel sind in Deutschland verschreibungspflichtig, über die Behandlung entscheidet die Kotprobe (meist ab etwa 200 EPG).
- Kleine Strongyliden (Cyathostominae) sind heute die häufigsten Magen-Darm-Parasiten beim Pferd.
- Bandwürmer und verkapselte Larven werden per Kotprobe kaum erfasst und brauchen eine gezielte Behandlung.
- Die Weide zweimal pro Woche abzuäppeln senkt den Infektionsdruck stärker als jede einzelne Wurmkur.
- Gegen Ektoparasiten wirken Repellents, Fliegendecken und kluges Weidemanagement zusammen.
Was bedeutet Parasitenschutz beim Pferd?
Parasitenschutz beim Pferd umfasst alle Maßnahmen gegen Endoparasiten (Würmer im Magen-Darm-Trakt und in der Lunge) und Ektoparasiten (Zecken, Milben, Haarlinge, Stechinsekten). Ziel ist ein niedriger Parasitendruck, nicht die vollständige Ausrottung, denn ein völlig parasitenfreies Pferd ist weder machbar noch sinnvoll.
Der moderne Ansatz hat sich vom starren Kalender gelöst. Früher galt die schematische Entwurmung alle acht Wochen als Standard. Heute steht die selektive, kotprobenbasierte Strategie im Vordergrund, weil die schematische Dauerbehandlung Resistenzen fördert. Beide Ebenen, innen und außen, laufen parallel und ergänzen sich. Wer nur entwurmt, aber die Weide nicht pflegt, kämpft gegen einen ständig neuen Nachschub an Larven.
Welche Parasiten befallen Pferde?
Pferde werden von rund einem Dutzend relevanter Parasitenarten befallen, die sich in innere Würmer und äußere Plagegeister teilen. Am wichtigsten sind heute die kleinen Strongyliden, während die früher gefürchteten großen Strongyliden durch häufige Entwurmung selten geworden sind. Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Arten ein.
| Parasit | Typ | Besonderheit |
|---|---|---|
| Kleine Strongyliden (Cyathostominae) | Endoparasit | häufigste Art, Larven verkapseln sich in der Darmwand |
| Große Strongyliden (Strongylus vulgaris) | Endoparasit | selten geworden, wandern durch Blutgefäße, gefährlich |
| Spulwürmer (Parascaris equorum) | Endoparasit | vor allem bei Fohlen und Jungpferden |
| Bandwürmer (Anoplocephala perfoliata) | Endoparasit | per Kotprobe unsicher nachweisbar, braucht Praziquantel |
| Pfriemenschwänze (Oxyuris equi) | Endoparasit | verursachen Juckreiz an der Schweifrübe |
| Magendasseln (Gasterophilus) | Endoparasit (Larve) | gelbe Eier am Fell, Larven im Magen |
| Zecken | Ektoparasit | können Krankheiten übertragen |
| Milben | Ektoparasit | Räude und Juckreiz, oft an Fesselbeugen |
| Haarlinge und Läuse | Ektoparasit | vor allem im Winterfell, starker Juckreiz |
| Kriebelmücken und Gnitzen | Ektoparasit | Auslöser des Sommerekzems |
Wie funktioniert die selektive Entwurmung?
Die selektive Entwurmung behandelt nur die Pferde, deren Kotprobe eine relevante Eizahl zeigt, meist ab 200 EPG (Eier pro Gramm Kot). Dein Tierarzt untersucht dazu mehrmals im Jahr eine Kotprobe und verordnet nur bei Bedarf ein passendes Präparat. So sinkt der Einsatz von Wurmkuren deutlich.
Für die Auszählung nutzt das Labor meist das McMaster-Verfahren, das die Eier pro Gramm Kot bestimmt. Etwa 80 Prozent der Pferde einer Herde scheiden nur wenige Eier aus und tragen den Großteil der Infektion nicht weiter. Diese Tiere musst Du seltener behandeln. Die wenigen starken Ausscheider werden gezielt entwurmt.
Der zweite Grund für diesen Ansatz ist die Resistenz. Bei mehreren Wirkstoffklassen wie den Benzimidazolen wirken die Mittel gegen kleine Strongyliden vielerorts nicht mehr zuverlässig. Jede unnötige Wurmkur beschleunigt diese Entwicklung. In Deutschland sind Entwurmungsmittel deshalb verschreibungspflichtig und dürfen nur nach tierärztlicher Verordnung eingesetzt werden.
Wann reicht eine Kotprobe allein nicht aus?
Eine Kotprobe erfasst Bandwürmer und verkapselte Strongyliden-Larven nur unzuverlässig. Deshalb gehören eine gezielte Bandwurmbehandlung, meist im Spätherbst, und eine larvizide Behandlung gegen verkapselte kleine Strongyliden zum Basisschutz, unabhängig vom aktuellen Kotbefund. Fohlen und Jungpferde folgen zusätzlich einem eigenen, festen Entwurmungsplan.
Bandwürmer geben ihre Eipakete nur schubweise ab, wodurch eine einzelne Kotprobe sie leicht übersieht. Eine Blut- oder Speichelanalyse kann den Verdacht erhärten. Die verkapselten Larven der kleinen Strongyliden wiederum ruhen in der Darmwand und legen keine Eier, sind im Kot also gar nicht sichtbar. Werden sie im Frühjahr massenhaft aktiv, droht die larvale Cyathostominose, eine ernste Erkrankung. Diese Lücken der Kotprobe schließt der Tierarzt über feste, kalendergestützte Zusatzbehandlungen.
Wie schützt Du Dein Pferd vor Zecken, Milben und Fliegen?
Gegen Ektoparasiten wirken drei Ansätze zusammen: Repellents und Insektenschutzsprays auf Fell und Beinen, mechanischer Schutz durch Fliegendecken, Fransen und Masken sowie kluges Weidemanagement in der Dämmerung. Das Absuchen nach Zecken nach jedem Ausritt und ein sauberer Stall runden den äußeren Schutz ab.
Die Auswahl an Sprays, Gels, Schutzdecken und Aufgüssen ist groß und unterscheidet sich stark in Wirkstoffen, Anwendungsdauer und Preis. Manche Repellents halten wenige Stunden, andere einen ganzen Tag. Fliegendecken mit UV-Schutz helfen besonders empfindlichen Pferden und solchen mit Sommerekzem, weil sie die Kriebelmücken mechanisch fernhalten. Einen herstellerunabhängigen Vergleich von Pflege- und Schutzprodukten für Pferde, Hunde und Katzen findest Du auf www.tierpflegeprodukte.de.
Achte bei jedem Mittel auf die Freigabe für Pferde und die korrekte Anwendung. Was für Hunde oder Katzen zugelassen ist, passt nicht automatisch zum Pferd, und einige Wirkstoffe sind für andere Tierarten sogar riskant.
Welche Rolle spielt die Weidehygiene?
Weidehygiene ist der wirksamste Hebel gegen Endoparasiten. Wer die Koppel zweimal pro Woche abäppelt, entfernt den Großteil der Wurmeier, bevor sie sich zu infektiösen Larven entwickeln. Wechselweide, eine angepasste Besatzdichte und die Mischbeweidung mit Rindern oder Schafen senken den Infektionsdruck zusätzlich spürbar.
Die Larven der kleinen Strongyliden wandern nur wenige Zentimeter vom Kothaufen ins Gras. Bleibt der Kot liegen, frisst das Pferd die Larven mit ab und infiziert sich neu. Rinder und Schafe nehmen die Pferdelarven zwar auf, beherbergen sie aber nicht, sie wirken auf der Weide wie ein biologischer Staubsauger. Eine kurz gefressene, überbesetzte Weide erhöht das Risiko dagegen deutlich, weil die Pferde dann bis dicht an die Kothaufen fressen.
Wie oft solltest Du Dein Pferd entwurmen?
Wie oft entwurmt wird, hängt vom Kotbefund und vom einzelnen Pferd ab. Bei der selektiven Strategie behandeln viele Halter nur zwei- bis viermal im Jahr gezielt, statt starr alle acht Wochen zu einer Wurmkur zu greifen. Fohlen, Jungpferde und Neuzugänge im Bestand brauchen dagegen engmaschigere Kontrollen.
Ein bewährter Jahresrhythmus verbindet mehrere Kotproben über das Jahr mit festen Zusatzbehandlungen im Herbst gegen Bandwürmer und verkapselte Larven. Deinen konkreten Plan stimmst Du mit dem Tierarzt ab, da Alter, Nutzung, Herdengröße und die regionale Resistenzlage eine Rolle spielen. Wichtig ist die Konsequenz: Ein guter Plan wirkt nur, wenn Kotprobe, gezielte Behandlung und Weidepflege zusammenlaufen.
Die häufigsten Fehler beim Parasitenschutz
In der Praxis scheitert wirksamer Parasitenschutz selten am fehlenden Wissen, sondern an der Umsetzung. Diese Fehler sehe ich am häufigsten:
- Wurmkur auf Verdacht ohne Kotprobe. Jede unnötige Behandlung treibt die Resistenz voran und kostet zugleich Geld.
- Nur das auffällige Pferd behandeln. Parasiten sind ein Herdenthema, die Weide steckt die anderen Tiere wieder an.
- Weide nicht abäppeln. Ohne Kotentfernung läuft jede Wurmkur gegen ständigen Nachschub an Larven.
- Neuzugänge ohne Kotprobe und Quarantäne integrieren. So schleppst Du fremde Wurmstämme und mögliche Resistenzen in den Bestand.
- Ektoparasiten erst bei Symptomen bekämpfen. Schutz vor Zecken und Insekten beginnt vor der Saison, nicht beim ersten Juckreiz.
- Dosierung nach Schätzung. Wird das Gewicht zu niedrig geschätzt, unterdosierst Du das Mittel und förderst Resistenzen. Ein Maßband oder eine Waage schafft Klarheit.
Weitere häufige Fragen zum Parasitenschutz beim Pferd
Ja. In Deutschland sind Entwurmungsmittel für Pferde verschreibungspflichtig und nur über den Tierarzt oder mit Rezept in der Apotheke erhältlich. Ein Kauf ohne Rezept, etwa über ausländische Onlineshops, verstößt gegen das Arzneimittelrecht und birgt das Risiko von Unterdosierung.
Nur eingeschränkt am äußeren Bild. Hinweise wie stumpfes Fell, Abmagern, Kotwasser oder Scheuern am Schweif können auf Würmer deuten, sind aber unspezifisch. Ein Befall verläuft oft lange unauffällig. Sicherheit gibt allein die Kotprobe, nicht der bloße Blick aufs Pferd.
Über eine zweite Kotprobe rund 14 Tage nach der Behandlung. Der Tierarzt vergleicht die Eizahl vor und nach der Wurmkur. Bleibt die Ausscheidung trotz Behandlung hoch, deutet das auf eine Resistenz gegen den verwendeten Wirkstoff hin und der Wirkstoff muss gewechselt werden.
Nein, nicht als Ersatz. Kräuter, Knoblauch oder Futterzusätze können einen bestehenden Wurmbefall nicht zuverlässig beseitigen und gelten fachlich nicht als Wurmkur. Sie ersetzen weder die Kotprobe noch das vom Tierarzt verordnete Präparat. Manche Zusätze belasten zudem den Stoffwechsel.
Besser nicht sofort. Nach der Behandlung scheidet das Pferd einige Tage lang Wurmstadien über den Kot aus. Bleibt es in dieser Zeit von der Weide, verhinderst Du, dass die Koppel neu verseucht wird. Ideal ist es, alle Pferde eines Bestandes am selben Tag zu behandeln.
In aller Regel nicht auf den Menschen. Strongyliden, Spul- und Bandwürmer des Pferdes sind wirtsspezifisch. Rinder und Schafe nehmen Pferdelarven zwar auf, beherbergen sie aber nicht, weshalb die Mischbeweidung den Infektionsdruck senkt statt ihn weiterzugeben.
Quellen
- ESCCAP Deutschland e.V., Selektive oder strategische Entwurmung beim Pferd: https://www.esccap.de/parasiten/wuermer/selektive-oder-strategische-entwurmung-pferd/
- ESCCAP Deutschland e.V., ESCCAP informiert: Selektive und strategische Entwurmung beim Pferd: https://www.esccap.de/esccap-informiert-selektive-und-strategische-entwurmung-beim-pferd/
- ESCCAP Deutschland e.V., Handlungsempfehlung Nr. 8 (Bekämpfung von Würmern bei Pferden), 2019
- Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) / Pferdesport Deutschland, Entwurmung von Pferden: https://www.pferdesport-deutschland.de/ausbildung/pferdehaltung/entwurmung/entwurmung-von-pferden
- Tierärztliche Praxis Dr. Schellhoff, Rechtslage zum Verkauf von Entwurmungspräparaten (AMG, TÄHAV): https://www.schellhoff.com/2021-02-09/aktuelles-zum-verkauf-von-entwurmungspraeparaten
- Kotlabor für selektive Entwurmung (McMaster-Verfahren, Bandwurm-Sammelkotprobe, Wirksamkeitskontrolle): http://selektive-entwurmung-pferd.de/






